1 Malami

Familiendiagnostik Beispiel Essay

Essay
Schädigung des Menschen
Zerfall von Beziehungen
Realitätsverlust

Literaturverzeichnis

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Essay

Wenn Rundfunk und Fernsehen „Die Welt als Phantom und Matrize“ erscheinen lassen, dann verkehren sich Sein und Schein zu einer zwielichtigen Zwischensphäre in der die sozialen Bindungen zerreißen, die Menschen zu „Masseneremiten“[1] vereinsamen und ihre sinnlos evozierten Gefühle in die unaufhaltsame Leere eines fiktiven Weltgebildes schicken.

Günther Anders beherrscht die Klaviatur der philosophischen Schauermär: Das Nichts, das Alleinsein, die Sinnlosigkeit – darauf läuft es in seiner Medienkritik in „Die Antiquiertheit des Menschen“ (Band 1, 1956) letztlich hinaus. Die genannten Massenmedien sind die Unheilsbringer in dieser Dystopie; sie machen unumkehrbar Schluss mit dem sozialen und selbstbestimmten Humanisten und seiner Welt. Eine Argumentation, die provoziert und fasziniert, aus historischer Sicht jedoch verständlicher erscheint: Anders formulierte seine Kritik inmitten eines medientechnischen Wandels. Die Etablierung der elektronischen Medien Rundfunk und Fernsehen veränderten das kulturelle und soziale Leben; sie wiesen den Weg in eine ungewisse, gewiss aber andersartige Zukunft.

Gut sechzig Jahre später bringen Tendenzen, die sich grob zusammengefasst als zunehmende Digitalisierung und elektronische Vernetzung bezeichnen lassen, vergleichbar pessimistische Medienkritik hervor. Wenn, in Bezug auf neue, soziale Medien, von „Smartphone Zombies“[2], „passiver Kommunikation“[3] und „schöner neuer Psychowelt“[4] die Rede ist, dann ist eine gewisse Ähnlichkeit zu Anders’ „Phantomwelt“, zumindest in sprachlich-metaphorischer Hinsicht, nicht von der Hand zu weisen. Die Versuchung lockt, „Die Welt als Phantom und Matrize“ deshalb als wahrgewordene Prophezeiung zu deuten. Es soll hier jedoch nicht um ein Belegen oder Widerlegen inhaltlicher Aspekte gehen. Die Frage, ob und inwiefern Anders’ Beitrag aktuell ist, meint nicht das Überprüfen seiner Argumente; sondern vielmehr die Art und Weise wie er Medienkritik formuliert und konstruiert. Infolgedessen werden die strukturellen und argumentativen Parallelen zwischen dem Text von Anders und den gegenwärtigen Formen der Medienkritik in einem größeren historischen und medienwissenschaftlichen Zusammenhang betrachtet.

Konkret geht es um folgende Fragen: Wie werden die Medien kritisiert? Welche Szenarien werden entworfen und wie wird argumentiert? Worin gleichen und unterscheiden sich die verschiedenen medienkritischen Beiträge? Und was ergibt sich daraus? (Im Hinblick auf die Aktualität von Anders’ Text)

Als Betrachtungsschablone soll hier Werner Faulstichs Betrachtung der Mediengeschichte bzw. der Medienrevolutionen in „Jetzt geht die Welt zugrunde […]“ (2000)[5] verwendet werden. Dort skizziert Faulstich eine Chronik der Medienentwicklung mit Blick auf die Leitmedienwechsel. Phasen radikaler, medientechnischer Neuordnung, so seine These, werden meist als eine tiefgreifende, beängstigende Veränderung der Lebensverhältnisse erfahren. Ausdruck findet das Erleben des „Kulturschocks“[6] in der Medienkritik; frenetisch wird dort um Mensch und Menschlichkeit gebangt, um Moral, Ordnung und tradierte Werte, die, je nach Epoche, an Theater, Buchdruck, Zeitung und TV zu zerschellen drohen. Dass sich die Ängste und Verteufelungen dabei in ihrer Grundcharakteristik stets gleichen, weist Faulstich präzise mit Zeitdokumenten nach. Als Narrative prägen vor allem die Sujets Schädigung des Menschen, Zerfall von Beziehungen und damit einhergehend Realitätsverlust den medienkritischen Diskurs.

Diese Schwerpunkte sollen im Folgenden eine Vergleichbarkeit zwischen Anders’ „Welt als Phantom und Matrize“ (Kritik an TV und Rundfunk) und einigen zeitgenössischen medienkritischen Artikeln (Kritik an Sozialen Netzwerken, Smartphones) gewährleisten. Da jeweils unterschiedliche Medienarten und ihre Nutzung kritisiert werden, wird das Augenmerk des Vergleiches vor allem auf jenen allgemeinen Charakteristika des „Kultur- oder Medienschocks“ liegen und nicht auf den spezifischen Merkmalen der einzelnen Medien.

Die ausgewählten Quellen erheben nicht den Anspruch, einen kompletten Überblick über die gegenwärtige Medienkritik darzustellen – sie sind als illustrative Schlaglichter auf einen breiten Prozess des Medienwandels im Zuge zunehmender Digitalisierung zu verstehen. Das ausgewählte Themengebiet Social Media umfasst hier vor allem die Nutzung von Smartphones und das Partizipieren an Sozialen Netzwerken. Beide Aspekte stehen stellvertretend für das Phänomen der kommunikativen Vernetzung im Web 2.0 und damit einhergehend für die Präsenz des Virtuellen im Alltag.

Günther Anders’ Aufsatz darf ebenfalls nicht verallgemeinernd als repräsentative Kritik seiner Generation betrachtet werden. Alle gewählten Aufsätze und Artikel sind im Wesentlichen Beispiele für eine pessimistische Medienkritik, die sich durch eine ausgeprägte Sensibilität für mögliche Gefährdungspotenziale neuer Medien auszeichnet.[7] Die folgenden Aspekte sind nach Faulstich essentielle Bestandteile, negativer medienkritischer Argumentationen ­– sie fungieren, wie bereits erwähnt, als kontextualisierende Vergleichsmomente.

Schädigung des Menschen:

Folgt man Faulstichs Grundannahme, dass radikale Medienkritik zum Zeitpunkt eines Medienumbruches vor allem Ausdruck einer irgendwie gearteten Schwellenangst ist, so scheinen die Sorgen der Ängstlichen zuvorderst dem Menschen und seiner Menschlichkeit zu gelten. In vielfältiger Variation wird stets das gleiche geschlussfolgert: Der Mensch wird durch den Gebrauch oder die bloße Anwesenheit des neuen Mediums zum schlechteren verändert. Das kann sowohl eine Beeinträchtigung seines Wohlbefindens bzw. seiner seelischen Gesundheit als auch eine Einschränkung seiner kognitiven und emotionalen Fähigkeiten meinen. So bergen „Aus Sicht von Experten […] soziale Netzwerke wie Facebook […] enorme Gefahren für echte Beziehungen – und fördern Vereinsamung sowie Phobien.“[8] Ähnlich riskant erscheint in gegenwärtigen medienkritischen Artikeln die übermäßige Smartphonenutzung: „Die Betroffenen leiden unter Konzentrations- und Schlafstörungen, sie vereinsamen und vernachlässigen Familie und Beruf. […] “[9] Laut „Einer Umfrage der britischen Post zufolge wird jeder Zehnte unruhig, wenn das Telefon auch nur ausgeschaltet ist.“[10] Noch dramatischer die Schilderung einer Nutzerin, deren Mobiltelefon kaputt ging: „Ohne ihr Smartphone sei sie sich ganz und gar verloren vorgekommen. […] Man fühlt sich geradezu nackt."[11]

[...]



[1] Anders, Günther (1956): Die Antiquiertheit des Menschen. Bd. 1 Über die Seele im Zeitalter der zweiten industriellen Revolution. Auflage 1994. München: Beck (Beck’sche Reihe) S. 102.

[2] http://www.stern.de/digital/telefon/kurzfilm-i-forgot-my-phone-allein-unter-smartphone-zombies-2053689.html

[3] http://www.focus.de/gesundheit/news/focus-titel-facebook-schadet-der-echten-freundschaft_aid_789545.html

[4] Ebd.

[5] Vgl. Faulstich, Werner (2000): Medienkulturen. 1. Auflage. München: Wilhelm Fink Verlag.

[6] Ebd.

[7] Zu jeder Zeit gab es neben der negativen Medienkritik auch optimistischere Ansätze, die den neuen Medien konstruktiver, differenzierter, manchmal gar euphorisch begegneten. (Zum Beispiel Marshall McLuhan; 1960er Jahre) Günther Anders Pessimismus ist somit eine spezifische Art auf einen „Kulturschock“ zu reagieren und nicht Ausdruck eines gesamtgenerationellen Gefühls.

[8] http://www.focus.de/gesundheit/news/focus-titel-facebook-schadet-der-echten-freundschaft_aid_789545.html

[9] http://www.zeit.de/zeit-wissen/2011/05/Online-Sucht/seite-3

[10] Ebd.

[11] http://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article13520570/Wenn-Smartphone-Fans-seelenlose-Zombies-werden.html

Wandel der Familienformen und -beziehungen
Im 18. und 19. Jahrhundert fand im europäischen Kulturkreis vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und technologischer Umwälzungen ein grundlegender struktureller und funktionaler Wandel des Familienlebens statt. Es entwickelte sich der Typus der bürgerlichen Kernfamilie, für den vor allem folgende Merkmale kennzeichnend sind: a) eine zunehmende Emotionalisierung und Intimisierung der Ehe- und der Eltern-Kind-Beziehungen, b) eine klare Spezialisierung der Rollen innerhalb des Familiensystems hinsichtlich einer geschlechts- und generationenspezifischen Macht- und Aufgabenverteilung im inner- und außerhäuslichen Bereich, c) eine verstärkte Privatisierung und Abgrenzung gegenüber Außeneinflüssen auf das Familienleben. Seit dem Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts läßt sich im Gefolge einer zunehmenden Individualisierung und Pluralisierung von Lebensformen auch eine Reihe familiärer Wandlungsprozesse feststellen. Schlaglichtartig können diese an folgenden Indikatoren festgemacht werden: sinkende Heiratsneigung, zunehmende Zahl an nichtehelichen Lebensgemeinschaften, steigende Zahl an Singlehaushalten, sinkende Geburtenzahlen, erhöhte Scheidungsquoten, vermehrte Zahl an alleinerziehenden Eltern, zunehmende Zahl an Stieffamilien, erhöhte Beteiligung von Frauen an weiterführenden Bildungseinrichtungen und am Erwerbsleben, Veränderung der elterlichen Erziehung im Sinne einer Abkehr von Pflicht- und Akzeptanzwerten zugunsten von Selbstentfaltungswerten, stagnierende finanzielle Entlastung und damit relative ökonomische Deprivation von Familien mit Kindern. Vielfach stellen die vor dem Hintergrund dieser Indikatoren familiären Wandels entstandenen Problemlagen eine Herausforderung für eine angemessene materielle und psychosoziale Unterstützung von Familien dar.

Familientheorien
Konzeptualisierungen von Theorien zum Phänomen Familie sind abhängig vom historischen und soziokulturellen Kontext der Theoriebildung. Die einer Familientheorie zugrundegelegte Ontologie, die Epistemiologie und Methodologie der Theorie stehen in einem rekursiven Verhältnis. Innerhalb eines theoretischen Paradigmas können empirisch gehaltvolle Theorien entwickelt und deren Nutzen und Überzeugungskraft empirisch bestätigt werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es keine einheitliche Theorie der Familie, sondern viele Theorieentwürfe mit sehr unterschiedlichem Spezifikationsniveau und inhaltlicher Reichweite. In der Familienforschung angewandte Theorien sind sowohl Adaptationen von Metatheorien aus den Systemwissenschaften als auch aus dem gesamten Bereich der Sozialwissenschaften. Systemtheorien als Rahmentheorien der Erforschung des Systems Familie gestatten es, die Komplexität menschlichen Erlebens und Handelns unter dynamischen, prozeß- und entwicklungsorientierten Gesichtspunkten zu beschreiben, zu erklären und Kontexte für Veränderungsmöglichkeiten von verschiedenen Arten menschlicher Systeme zu gestalten. Aus dem Bereich der Sozialwissenschaften haben a) aus der Soziologie die Familienentwicklungstheorien, die Theorie der symbolischen Interaktion, die soziale Austauschtheorie, die Konflikttheorie (Konflikt), die sozioökologischen Theorien, feministische Theorien (Feministische Psychologie), phänomenologische Theorien (Phänomenologie), die Familienstreßtheorie, Ethnomethodologie und biosoziale Theorien, und b) aus der Psychologie die psychoanalytischen Theorien (Psychoanalyse), soziale Lerntheorien (Lernen) sowie Kommunikations- und Interaktionstheorien (Kommunikation) Eingang in die Theorienbildung der Familienforschung gefunden.

Familienentwicklung und familiäre Sozialisation
Die Entwicklung von Familien läßt sich in eine Reihe normativer bzw. nicht-normativer Übergänge und Phasen gliedern. Diesen können wiederum prototypisch spezifische Familienentwicklungsaufgaben zugeordnet werden, die sich aufgrund des Zusammenspiels gesellschaftlicher Vorgaben und biologischer Reifungsprozesse ergeben. Beispiele für Familienentwicklungsaufgaben beim Übergang zur Elternschaft bzw. in der Familienphase mit kleinen Kindern sind etwa a) Anpassung des Partnersystems, um die Integration eines Kindes bzw. mehrerer Kinder zu ermöglichen, b) Koordinierung der Aufgaben der Kindererziehung, des Umgangs mit Geld und der Haushaltsführung, c) Neuorientierung der Beziehungen mit den jeweiligen Herkunftsfamilien. In ähnlicher Weise lassen sich auch für nicht-normative Familienentwicklungsverläufe (z.B. alleinerziehende Elternschaft, Wiederverheiratung) spezifische Familienentwicklungsaufgaben formulieren. Die Erziehung und Sozialisation von Kindern stellt eine wesentliche Entwicklungsaufgabe im Kontext der Familie dar. Hierbei haben sich vier zentrale Muster des Erziehungsverhaltens herauskristallisiert, die als autoritär, permissiv, vernachlässigend und autoritativ verzeichnet werden und in ihren altersspezifischen Ausformungen zu jeweils unterschiedlichen Entwicklungsergebnissen der Kinder führen. Als besonders kompetenzfördernd hat sich der autoritative Erziehungsstil erwiesen, der sich durch klare elterliche Regeln sowie ein hohes Maß an Wärme und entwicklungsangemessener Anregung auszeichnet. Dabei können allerdings unter Berücksichtigung evolutionspsychologischer, verhaltensgenetischer und epochal-gesellschaftlicher Einflüsse u.a. folgende Variablen die Entwicklungsergebnisse moderieren: Temperamentsmerkmale des Kindes, elterliche Persönlichkeitsmerkmale, Beziehungerfahrungen in der Herkunftsfamilie, Ehebeziehung und Elternallianz, Qualität der Geschwisterbeziehungen, Arbeitsplatzerfahrungen der Eltern, Unterstützungsfunktion des sozialen Netzwerks, ökonomische Situation. Vor dem Hintergrund der familiären Erziehungs- und Sozialisationseinflüsse gestalten die Kinder auch in Auseinandersetzung mit anderen Erfahrungsbereichen (z.B. Gleichaltrigengruppe, Schule, Ausbildung, Freizeit) mehr und mehr auf dem Wege der Selbstsozialisation ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung.

Familiendiagnose
Familiendiagnostik ist eine nach wissenschaftlichen Standards geleitete systematische Informationssammlung. Sie basiert auf der Anwendung von Familientheorien und den jeweils davon abhängigen quantitativ oder qualitativ orientierten Methodologien. In der systemischen Familiendiagnostik ist der Untersucher als Beobachter in den selbstreferentiellen diagnostischen Prozeß mit einbezogen. Die Diagnostik schließt sowohl die Beobachtungen der aktuellen Familieninteraktionen, die Befragung des Beziehungserlebens der am Interaktionsprozeß Beteiligten, die Rekonstruktion der erlebten eigenen und gemeinsam geschaffenen Familiengeschichte, die Analyse von zukünftigen Zielvorstellungen, als auch die Erhebung der objektiven materiellen und sozialen Lebenslagen von Familien und ihre subjektive Bedeutung für die einzelnen Familienmitglieder ein. Die Familiendiagostik kann je nach Aufgabenstellung salutogen oder pathogen orientiert sein. Eine pathogen orientierte klinische Familiendiagnostik geht von einem biosozialen, kontextspezifischen, relationalen und transaktionalen Störungsbegriff aus. Störungen/psychische Krankheiten werden nicht in der Person, sondern – im Gegensatz zu einem medizinisch-psychiatrischen Krankheitsmodell – in den Transaktionen von sich entwickelnden Personen in einem sich entwickelnden Kontext konzeptualisiert. Statt Individuen können auch Kontexte, wie zum Beispiel Familien als dysfunktional aufgefaßt werden.

Familiäre Intervention
Ziel formeller familiärer Interventionen ist die Stärkung des individuellen und familiären Bewältigungspotentials in unterschiedlichen Lebensphasen und Lebensbereichen. Zentrale Instrumente formeller familiärer Interventionen sind familienorientiertes Beziehungstraining, Familienberatung und Familientherapie. Entsprechend der traditionellen Klassifikation von Präventionsformen kann der psychoedukative Ansatz der familienorientierten Beziehungstrainings (bei Paaren, Eltern-Kindbeziehungen, Familien im Übergang zur Elternschaft) als primärePrävention (Entwicklungsoptimierung), Beratung in Form der Entwicklung präventiver und auch partiell remedialer Vorgehensweisen der Familienunterstützung als sekundäre Prävention eingeordnet werden. Dem Begriff Therapie werden alle korrektiven remedialen Behandlungsmaßnahmen der tertiären Prävention zugerechnet, die das Ziel der Reduzierung der Verletzlichkeit einer Familie und ihrer Stabilisierung auf einem zumindest niedrigeren Niveau als zu Beginn der Behandlungsmaßnahmen haben. Familienorientiertes Beziehungstraining als Prävention bei Risikofamilien versucht, personale und interpersonale Kompetenzen zu stärken, um erwartbare Belastungen besser meistern zu können. Zentrale Komponenten der psychoedukativen Ansätze sind die Vermittlung und Einübung von Kommunikationsfertigkeiten, die Förderung von Problem- und Konfliktlösungskompetenzen sowie das Erlernen der Kontrolle von personeninternen Zuständen (z.B. Ärgerkontrolle). Bedeutsame Effekte bei der Rückfallprophylaxe bei Familien mit schizophrenen Mitgliedern sowie Langzeitstudien von Paarbeziehungstrainings belegen die Wirksamkeit der psychoedukativen Ansätze. Angebotsformen der Familienberatung (krisen- bzw. problembezogene Beratung, Familienbildung) umfassen alle sozialen und institutionellen Netzwerke (Soziale Netzwerke), die der Bewältigung von psychosozialen und krankheitsbedingten Belastungen sowie Gesundheitsgefährdungen dienen. Familienberatung hat zum Ziel, Ratsuchende bei der Lösung von Problemen fachkundig so zu unterstützen, daß diese selbständig Lösungen ihrer Probleme erarbeiten können. Im Beratungsprozeß werden Diskrepanzen des Ist- und Sollzustandes analysiert und durch Information, Empfehlung und Beratung bei der Entwicklung alternativer Lösungsmöglichkeiten modifiziert. Mit Familientherapien werden behandlungsbedürftige Symptome von Familienmitgliedern oder Störungen der Paar- und Familienbeziehungen im jeweiligen Problemkontext behandelt. Modelle der Familientherapien orientieren sich an systemtheoretischen (strukturelle, strategische, systemische, lösungsorientierte, narrative Therapie) (Systemische Therapie), behavioralen, psychoanalytischen, humanistischen oder feministischen Modellvorstellungen. Nach rigorosen wissenschaftlichen Standards durchgeführte Metaanalysen belegen die empirisch fundierte Wirksamkeit von Paar- und Familientherapien bei einer Vielzahl von Symptomen und Störungen.

Literatur
Ambert, A.-M. (1997). Parents, children, and adolescents. Interactive relationships and development in context. New York: Haworth Press.
Boss, P.G., Doherty, W.H., LaRossa, R., Schumm, W.R. & Steinmetz, S.K. (Eds.). (1993). Sourcebook of family theories and methods. A contextual approach. New York: Plenum.
Cierpka, M. (Hrsg.). (1996). Handbuch der Familiendiagnostik (2. Aufl.). Berlin: Springer.
Schneewind, K.A. (1999). Familienpsychologie (2. Aufl.). Stuttgart: Kohlhammer.
von Schlippe, A. & Schweitzer, J. (1998). Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung (5. Aufl.). Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht.

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